Das Erdbeben in China hat rund fünf Millionen Menschen obdachlos gemacht. Die meisten von ihnen müssen ohne sauberes Wasser auskommen und unter schlechten hygienischen Bedingungen im Freien campieren.
Vier Tage nach dem Beben rückte die Seuchengefahr damit immer stärker in den Mittelpunkt. Die Regierung mahnte, die Leichen möglichst schnell und abseits von Wasserquellen oder bewohnten Gebieten zu beerdigen. Vizegesundheitsminister Gao Qiang sagte, die hygienischen Bedingungen und die Seuchenkontrolle müssten jetzt besondere Beachtung finden.
Offiziell 22.000 Tote
In der Provinz Sichuan, in der das Epizentrum des Bebens der Stärke 7,9 auf der Richterskala lag, stieg die offizielle Zahl der Todesopfer auf 22.000. Mehr als 14.000 Menschen wurden noch vermisst, darunter auch einige Deutsche, wie das Auswärtige Amt in Berlin mitteilte. Den Vermisstenmeldungen gehe die deutsche Botschaft in Peking in Zusammenarbeit mit den chinesischen Behörden nach. Bislang war nur bekannt gewesen, dass ein deutscher Staatsbürger bei dem Beben verletzt worden war.
Nach offiziellen Angaben der chinesischen Regierung erlitten insgesamt 169.000 Menschen zum Teil schwere Verletzungen. Der Krisenstab rechnet deshalb damit, dass die Zahl der Toten noch auf 50.000 steigen wird. Niemals seit der Staatsgründung im Jahr 1949 sei ein Erdbeben so zerstörerisch gewesen, sagte Regierungschef Wen Jiabao.
Auch 100 Stunden nach dem Beben befreiten Rettungskräfte noch Überlebende aus den Trümmern, obwohl die kritische Grenze von 72 Stunden für die Rettung von Verschütteten längst verstrichen war. In der Stadt Schifang wurde ein Mann aus den Ruinen einer Düngemittelfabrik gerettet. 17 Überlebende fanden die Helfer in dem zerstörten Gebäude der Kreisregierung von Beichuan.
"Herausforderung ist gewaltig"
Die Hilfsbemühungen stecken nach den Worten von Präsident Hu Jintao in einer "entscheidenden Phase". Bei einem Besuch im Katastrophengebiet rief der Staats- und Parteichef zu "größeren Anstrengungen" auf, um die Opfer zu versorgen und die Infrastruktur wieder aufzubauen. "Die Herausforderung ist weiter gewaltig, die Aufgabe schwer und die Zeit drängt", sagte er laut Xinhua.
Zum ersten Mal in der Geschichte Chinas arbeiten auch ausländische Bergungsteams in einem Katastrophengebiet. Japan, Südkorea, Singapur, Taiwan und Russland haben Rettungsmannschaften entsandt. Die Bundesregierung verdreifachte ihre Hilfe für die notleidende Bevölkerung auf 1,5 Millionen Euro. Die EU stellte China zwei Millionen Euro als Soforthilfe zur Verfügung.
Nachbeben der Stärke 5,9
Ein starkes Nachbeben der Stärke 5,9 erschütterte unterdessen die Region und löste neue Erdrutsche aus. Einige Autos wurden unter Geröll begraben, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Dabei gingen auch gerade reparierte Telekommunikationseinrichtungen wieder zu Bruch.
Neue Gefahr drohte durch Schäden an Staudämmen im Erdbebengebiet. Das Wasserministerium entsandte mehr als 100 Experten zu deren Begutachtung. Vor Beginn der Regenzeit befürchtet das Ministerium eine "ernste Gefahr" durch die "beträchtlichen" Schäden, die das Erdbeben an den Dämmen verursacht hatte. Betroffen sind mehr als 500 kleinere und mittlere Staubecken in Sichuan und der Region von Chongqing.
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r Krisenstab 危机处理小组
verschüttete 活埋,淹没
verstreichen 过去,流逝
Bergung 救助,恢复
Nachbeben 余震
erschüttern 震动
r Erdrusch 滑坡,山崩
auslösen 激活,引起
s Geröll 碎石
Staudamm 围堤,拦河坝
Begutachtung 鉴定
s Staubecken 水库